Bericht zur Kundgebung

Rund 100 Teilnehmer_innen – überwiegend aus dem autonomen Antifa-Spektrum – kamen am Dienstag, den 09.11.2010 am Duisburger Platz der alten Synagoge zusammen, um gemeinsam an die Reichspogromnacht vor 72 Jahren zu erinnern. Aufgerufen hatte das “Bündnis 9. November”, ein Zusammenschluss antifaschistischer Gruppen aus der Region.

Verschiedene Sprecher_innen erläuterten in themenbezogenen Redebeiträgen die historischen und aktuellen Anlässe für die Gedenkkundgebung. So wurde beispielsweise von Einzelschicksale verfolgter Jüdinnen und Juden während der 1930er Jahre berichtet. Hier wurde u.a. erläutert, wie der Rabbiner-Neumark-Weg – an dem die Kundgebung stattfand – zu seinem Namen gekommen ist. Im Gegensatz zu seiner Familie überlebte Manass Neumark die Shoa nicht. Er wurde 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. In einem weiteren Text wurde auf die aktuellen Entwicklungen der Nazi-Szene in der Region eingegangen. Ein anderer Beitrag beschäftigte sich mit deutscher Gedenkpolitik. Die Kritik an instrumenteller Erinnerungskultur betonte die Notwendigkeit linker Intervention im öffentlichen Diskurs über den Nationalsozialismus. Die Pausen zwischen den Beiträgen wurden mit einem musikalischen Programm überbrückt.

Gegen Ende der Kundgebung tauchten drei bekannte Vertreter einer lokalen Kameradschaft am Straßenrand auf und versuchten, Teilnehmer_innen der Kundgebung zu fotografieren. Sie wurden jedoch schnell zurückgedrängt, sodass ihre Versuche erfolglos blieben. Die Polizei umstellte schließlich schützend die sichtlich eingeschüchterten Nazis und transportierte sie in der Folge in einem Mannschaftswagen ab. Tags zuvor war eine verzogene “Kameradin” aus dem direkten Umfeld der Duisburger Kameradschaft in Chemnitz geoutet worden.

Nach Beendigung der Kundgebung zogen rund siebzig Antifaschist_innen mit Transparenten und lautstarken Parolen als Demonstrationszug in Richtung Hauptbahnhof. Auf dem Weg wurden Flugblätter an Passant_innen verteilt, die über den Anlass von Kundgebung und Demonstration informierten. Ein beträchtlicher Teil der Teilnehmer_innen fuhr noch im Anschluss nach Essen-Borbeck. Dort hatte die lokale NPD zu einer “Mahnwache” mit Bezug auf die ostdeutschen “Mauertoten” mobilisiert. Obwohl Teile der angereisten Antifaschist_innen am Borbecker Bahnhof von der Polizei festgehalten wurden, konnten sich andere Kundgebungsteilnehmer_innen an den Störaktionen gegen die NPD beteiligen.

Siehe auch:
Bilder zur Kundgebung
Indymedia
indymedia.linksunten

Bilder zur Kundgebung

Im Folgenden findet ihr einige Bilder zur gestrigen Gedenkkundgebung. Ein ausführlicher Bericht folgt dann die nächsten Tage. Wir danken hiermit allen rund 100 Teilnehmer_innen und sonstigen Unterstützer_innen.

Mahnmal an der alten Stadtmauer:
Mahnmal an der alten Stadtmauer

Kundgebung:
Kundgebung
Kundgebung
Kundgebung

Lokale Neonazis im Schutze der Polizei:
Lokale Neonazis im Schutze der Polizei

Letzte Infos und Hinweise

Unsere Mobilisierung geht in den Endspurt: Am Samstag und am verkaufsoffenen Sonntag wurden Flyer in der Duisburger Fußgänger_innenzone verteilt. Anschließend wurden weitere Flyer in Briefkästen in den Vierteln rund um den Kundgebungsort eingeworfen. Außerdem tauchten am Montag in vielen Gegenden Duisburgs erneut unsere Bündnis-Plakate auf.

Wir wollen euch noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Kundgebung pünktlich beginnen wird, damit alle Leute die noch in Essen-Borbeck gegen die Kundgebung der lokalen NPD demonstrieren möchten, dies auch tun können. Außerdem möchten wir euch auch bitten keine Fotos und Videos auf der Kundgebung zu machen, das Bündnis selbst wird sich um eine angemessene Dokumentation der Veranstaltung kümmern. Hier findet ihr nochmal die Wegbeschreibung zum Kundgebungsort.

Borbeck-News und Mobi-Aktionen

Der Essener Runde Tisch für Menschrechte hat in Borbeck eine Kundgebung in direkter Nähe der NPD-Veranstaltung angemeldet. Diese findet in der Zeit von 18 bis 21 Uhr auf dem Höltingplatz – vor dem ehemaligen Karstadt/Hertie-Kaufhaus – in der Borbecker Fußgängerzone statt. Von dieser Stelle aus liegt die „Mahnwache“ der NPD in Sicht- und Hörweite. Siehe dazu auch die Meldung der Antifa Essen Z.

Offensichtlich haben Sympathisant_innen des Antifaschistischen Bündnisses 9. November aus mehreren Ruhegebietsstädten in den vergangenen Tagen ihre Städte mit unseren Plakaten verschönert. Dies lässt sich aus einem am Freitag veröffentlichten Indymedia-Beitrag entnehmen.

Neuigkeiten und Terminhinweise

Leider kann unsere Kundgebung auf Grund einer anderen Versammlung nicht wie geplant direkt am Mahnmal stattfinden. Wir weichen deshalb auf den Parkplatz in direkter Nähe aus. Eine Karte mit kurzer Wegbeschreibung vom Duisburger Hauptbahnhof zum Kundgebungsort findet ihr hier: Karte [png].

Als themenbezogene Terminhinweise: Der Antifaschistische Impuls Dortmund zeigt am Sonntag, dem 7. November, den Film „Die Feuerprobe“ von Erwin Leiser. Der Filmautor und Regisseur (u.a. „Mein Kampf“) hat über die Geschehnisse des Novemberpogroms einen Dokumentarfilm gedreht. Infos dazu findet ihr hier und hier. Zudem hat die Geschichtswerkstatt Münster einen Radiobeitrag produziert, der „die Spuren der Reichspogromnacht und der Shoah auf den Straßen von Münster“ erkundet. In dem Beitrag, der am 9. November um 21 Uhr im örtlichen Bürgerfunk ausgestrahlt wird, kommen Opfer der antisemitischen Gewalt anhand ihrer festgehaltenen Erinnerungen zu Wort. Weitere Infos gibt es hier.

Nazikundgebung am 9. November in Essen

Wie bereits durch eine Pressemitteilung der Antifa Essen Z bekannt gemacht wurde, hat der Essener Kreisverband der extrem rechten NPD am Jahrestag der Pogromnacht eine Kundgebung in Essen-Borbeck angemeldet. Diese soll zwischen 19 und 20 Uhr auf dem so genannten Germaniaplatz stattfinden. Bereits im letzten Jahr erlaubte die örtliche Polizei eine Kundgebung mit rund 20 Neonazis, die mit brennenden Fackeln das Pflichtlied der Hitlerjugend („Ein junges Volk steht auf..“) sangen.

Wir werden unsere Kundgebung wie geplant ab 17 Uhr in Duisburg durchführen. Anschließend wollen wir geschlossen nach Essen-Borbeck fahren und uns den Protesten gegen diese skandalöse Kundgebung anschließen.

Erste Infos zur geplanten Kundgebung

In Gedenken an die Pogromnacht von 1938, veranstalten wir eine antifaschistische Kundgebung in Duisburg. Diese findet am 9. November 2010 um 17 Uhr am Platz der alten Synagoge (Rabbiner-Neumark-Weg), statt. ++ Wenn ihr unseren Aufruf unterstützen wollt, schreibt uns einfach! Über eine Verlinkung würden wir uns ebenfalls freuen. Dazu könnt ihr unsere Banner benutzen. ++ Demnächst werden hier weitere Infos veröffentlicht.

Antifaschistisches Bündnis 9. November


Gedenkkundgebung:

09.11.2010 (Dienstag) | 17.00 Uhr
Mahnmal an der alten Stadtmauer
Rabbiner-Neumark-Weg – Duisburg